Der Pokémon Go Hype

Vielerorts hört man in den letzten Tagen von Pokémon Go; Nintendos Aktienkurs hat sich seit dem Release verdoppelt. Doch wieso boomt dieses Spiel so sehr? Wir versuchten eine Antwort zu finden und wurden zum Pokémon-Trainer.

Kindheitserinnerungen werden wach

Einer der Hauptgründe weshalb Nintendo mit dem Spieleentwickler Niantic (die dem ein oder anderen Gamer als die Entwickler von Ingress bekannt sein dürften) einschlägt wie eine Bombe, ist natürlich die Tatsache, dass Pokemon eine starke Marke ist und viele Gamer wunderbare Kindheitserinnerungen damit verbinden. Sei es als Kartenspiel, Kinofilm, Anime-Serie, auf dem N64 oder als Gameboy-Abenteuer, wahrscheinlich hatten wir alle schonmal Kontakt mit den niedlichen japanischen Fabelwesen. Ich selbst habe Pikachu und Co nur in den ersten Versionen „Pokémon Blau“ und „Rot“ gejagt, doch erschien mir die Idee, Pokémon in meiner eigenen Nachbarschaft zu fangen, trotz des großen zeitlichen Abstands eine großartige Sache.

Menschenaufläufe an Pokéstopps

Schon kurz nach dem Release organisierten Fans Treffen über Facebook um gemeinsam Pokémon zu fangen. In Hannover trafen sich 200 Menschen am Kröpke, in Bremen tourte eine bunte Gruppe aus etwa 100 Gamern aus allen Altersgruppen unter Anleitung eines GPS-Game-Experten durch den Bürgerpark und in Hamburg ist die Binnenalster ein ständiger Anlaufpunkt für Pokémon-Trainer geworden.

I2016-07-18 20.06.00n den letzten Tagen ist die Wahrscheinlichkeit, einen Pokémon-Gamer auf offener Straße zu erwischen extrem hoch. Die typische Pokéball-Wurfbewegung gibt die Gamer sofort zu erkennen. Geocacher verstecken sich vor „Muggels“ wenn sie wie Undercover-Agenten Verstecke ausspähen, Resources-Gamer fühlen sich gern als Teil einer großen Verschwörung; als Pokémon-Trainer outet man sich derzeit unweigerlich, sobald man nur sein Handy zückt.

„Hey, welches Level?“ bekommt man da zu hören, wenn man sich in der Nähe eines Pokéstops herumtreibt. Irgendwie erfrischend, sich unter das bunte Treiben der Spiellustigen zu mischen und sich als Teil einer mittlerweile globalen Bewegung zu fühlen. (Das Spiel ist heute in 38 Ländern freigegeben.) Statt heimlichen Munzeeklebens und Cachesuchens, tritt man unweigerlich in direkten Kontakt mit gleichgesinnten. „Hast du das Enton schon gesehen?“ – „Nein, habe nur ein Taubsi erwischt,“ tauschen gerade noch Unbekannte Tipps aus.

Nützliche Items

2016-07-14 17.11.42Auch wenn du dich abseits der bekannten Hotspots der Stadt bewegst: sobald du an deinem gerade noch einsamen Pokéstop ein Lockmodul zündest, hast du in kürzester Zeit eine Riege von Poké-EnthusiastInnen um dich. Mit Items wie diesen lässt sich nämlich die Suche nach Schiggy & Co stark vereinfachen. In der gesamten Umgebung sind an Landmarks „Pokéstops“ verteilt, die dich bei Annäherung mit allen möglichen Items versorgen. Hier bekommst du nicht nur Pokébälle, die du brauchst, um das Krabbelvieh zu fangen, sondern auch spezielles Equipment um es anzulocken. Ein Beispiel ist das Rauch-Item, das deine Spielfigur einnebelt und Pokémon in der Nähe anlockt. Noch besser funktioniert das Lockmodul. Dieses kannst du an einem Pokéstop aktivieren und lockt fortan für eine halbe Stunde die begehrten Monster in deinen Dunstkreis. Der große Vorteil am Lockmodul ist zudem, dass auch andere Gamer davon profitieren. Wechseln sich nun also einige Gamer damit ab, ihre Lockmodule im Abstand von einer halben Stunde zu aktivieren, kann man über lange Zeit gemütlich heraneilende Pokémon einsammeln und dabei noch einen Plausch mit seinen Mitmenschen halten. Stops mit aktivem Lockmodul erkennt man in der Karte an herumschwebenden Herzen. So ziehen Lockmodule nicht nur virtuelle Monster sondern auch ganz reale Personen an.

Durchbruch für Locationgames

Von Gamern, mit denen ich mich in einer Herzchenwolke unterhalten konnte, erfuhr ich, dass sie von Pokémon Go aus den Medien erfuhren und vorher noch keinen Kontakt zu anderen Locationgames hatten. Das ist nicht weiter verwunderlich, da es einen solchen Andrang auf dem Markt der Locationgames noch nicht gegeben hat. Das bekannte Ingress aus dem selben Hause, hat zwar in 3 Jahren beachtliche 13 Millionen Downloads erreicht. Pokémon hat diese Zahl aber schon innerhab der ersten Tage geknackt. Seit erscheinen der App berichten Radio, TV und seriöse Tageszeitungen wir die Süddeutsche zuhauf über das Phänomen. Erstaunlich, dass diese Medienpopularität offenbar ganz den Fans geschuldet ist. Nintendo hat meines Wissens keine bedeutende Werbekampagne gestartet. Die Fans der kleinen Monster haben sich formiert und zusammen eine Welle der Begeisterung losgetreten.

„Ich bin Lagerist, wir arbeiten in mehreren Hallen. Plötzlich rannte jemand in die Halle und rief: „Zwischen Halle 2 und 3 ist ein Pikachu!“. Plötzlich ließen von 200 Kollegen 150 ihre Arbeit liegen und suchten Pikachu. Erst als der Chef kam und fragte, was denn hier los sei gingen wir zurück an die Arbeit.“

Ein erstes Fazit

2016-07-17 21.46.48Pokémon Go macht Spaß. Das kann man nicht leugnen, selbst wenn man mit großer Skepsis an das Spiel herangegangen ist. Trotzdem sind deutliche Unterschiede zu Games mit langer durchdachter Planungsphase und einem normalen Wachstum zu erkennen. Games wie Ingress oder Resources laufen deutlich flüssiger, während man bei Pokémon Go doch oft mit der Verbindung zum Server oder lästigen Bugs kämpfen muss. Bei uns funktionierte das flüssige Gameplay, vor allem am belasteten Wochenende, stellenweise überhaupt nicht. Ein weiterer Beleg, dass selbst Nintendo vom Erfolg des neuen Releases überrannt wurde. Das kann von Spielspaß doch sehr schnell zu Frust führen, sollte sich aber in den nächsten Wochen hoffentlich erledigt haben.

Doch jetzt: probiere es selbst aus und lass uns wissen was du denkst. Viel Spaß und fang sie dir!

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